Noch ein zweiter Faktor trug zur Schwächung des militärischen Potentials der NATO bei, nämlich die im Zuge des Nahostkriegs 1973 eintretende Energie- und die damit einhergehende Wirtschaftskrise. Einige der Partner konnten der Versuchung nicht widerstehen, die damit verbundenen leeren Kassen durch eine Reduzierung des militärischen Engagements zu entlasten.
Die militärstrategische Lage der Allianz zu Beginn der siebziger Jahre war geprägt von der Tatsache, dass die Sowjetunion in der nuklearstrategischen Rüstung mit den USA gleichgezogen hatte, bei Fortbestehen ihrer konventionellen Überlegenheit in Europa.
Die Fähigkeit einer mutual assured destruction der beiden Großmächte ließen zwar einen allgemeinen Nuklearkrieg unter Einschluß des gesamten nuklearstrategischen Waffenarsenals nahezu ausgeschlossen erscheinen, reduzierten jedoch auch die Bereitschaft der USA zum Einsatz von Atomwaffen bei einem konventionellen Krieg in Europa wegen deren befürchteten Eskalationswirkung noch weiter.
Der Ausweg aus diesem Dilemma konnte daher, - abgesehen von den erwähnten Bemühungen um eine Entspannung und Abrüstung -, auf militärischem Gebiet nur lauten: Drastische Erhöhung der Fähigkeit der NATO, einem konventionellen Angriff des Warschauer Paktes auch konventionell, unabhängig von Umfang und Dauer des Krieges, begegnen zu können. Die Möglichkeit der NATO-Staaten, diese durchaus logische Konsequenz zu ziehen, stieß jedoch an eine entscheidende Barriere: Die finanziellen Möglichkeiten selbst der wirtschaftlich potentesten Staaten, und hierzu zählte ohne Zweifel die Bundesrepublik, waren beschränkt und konnten ohnen einen verhängnisvollen Abbau der sozialen Errungenschaften nicht uferlos für Rüstungsvorhaben herangezogen werden. Deshalb ging die rüstungspolitische Tendenz der NATO in den siebziger Jahren dahin, durch
das konventionelle Übergewicht des Warschauer Paktes einigermaßen zu kompensieren.Auch die Bundesrepublik hat diesen Weg eingeschlagen, und mit einer neuen Heeresstruktur und die multilaterale Entwicklung neuer, technisch überlegener Waffensysteme (MRCA und Kampfpanzer Leopard II) seinen Beitrag zur Stärkung der konventionellen Kräfte der NATO geleistet.