Mit dem Ausscheiden Frankreichs aus der Militärorganisation der NATO stand einer Einigung über ein neues militärstrategisches Konzept der NATO im Sinne einer Flexible Response, über das beinahe sieben Jahre diskutiert worden war, nichts mehr im Wege.
Die übrigen Mitglieder der Allianz hatten den Widerstand gegen die amerikanischen Vorstellungen weitgehend aufgegeben. Auf der Dezember-Sitzung des NATO-Rats 1967 wurden den vorbereiteten Planungen der NATO-Militärbehörden grünes Licht gegeben und die Strategie der Flexible Response zur verbindlichen Konzeption des Bündnisses geklärt.
Dazu hieß es im Schlußkommunique: "Die Konzeption ... beruht auf einer flexiblen und ausgewogenen Skala geeigneter konventioneller und nuklearer Reaktionen auf alle Arten von Angriffen oder Angriffsdrohungen. Diese Reaktion, gemäß zuständiger politischer Kontrolle, sollen zunächst einen Angreifer abschrecken und dadurch den Frieden wahren; sollte es aber dennoch bedauerlicherweise zu einem Angriff kommen, sollen sie die Sicherheit des Nordatlantik-Vertragsgebietes im Sinne der Vorwärtsverteidigung gewährleisten." Die Einzelheiten der neuen Militärstrategie wurden in dem Dokument des Militärausschusses MC 14/3 vom 16. Januar 1968 niedergelegt, das drei Reaktionsformen auf einen gegnerischen Angriff vorsah, die gleichzeitig, nacheinander oder in beliebiger Reihenfolge, angewandt werden sollten:
Zugleich mit dem Konzept der Flexible Response" wurde vom NATO-Rat ein Streitkräfteplan mit einer Laufzeit bis 1972 verabschiedet, der die bislang vorwiegend an nuklearen Kriegsbildern orientierte Struktur der NATO-Streitkräfte den neuen Gegebenheiten anpaßte und auch für die Bundeswehr nachhaltige Konsequenzen hatte. Die nach dem Ausscheiden Frankreichs aus der militärischen Integration scheinbar schnelle Einigung der Mitglieder der Allianz in Fragen, über die zuvor jahrelange Diskussionen ohne nennenswerte Ergebnisse stattgefunden hatten, konnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die NATO am Ende der sechziger Jahre in militärischer Hinsicht keinesfalls jene starke Position inne hatte, die aus den offiziellen Verlautbarungen herauszulesen war, sondern eher mit gemischten Gefühlen in die siebziger Jahre blicken mußte.
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