Sie sind hier: 1960-1970 > Das Scheitern der MLF

 Das Scheitern des Plans einer MLF

Die Resonanz der Verbündeten auf den amerikanischen Vorschlag reichte von strikter Ablehnung, - wie im Falle Frankreichs - über verhaltene Zustimmung bis zur vollen Bereitschaft, an diesen muklearen Übereinkommen mitzuarbeiten, wie sie in der Raktion der Bundesrepublik zum Ausdruck kam.

So erklärte Konrad Adenauer am 6. Februar 1963 vor dem Deutschen Bundestag: "Wir sehen das Abkommen von Nassau als einen großen Schritt auf dem Weg zur Schaffung einer wirksamen multilateralen nuklearen Abschreckungsmacht der NATO an. Präsident Kennedy hat uns durch den Unterstaatssekretär Ball seine Ansichten hierüber erläutern lassen. Wir haben uns entschlossen, an der Verwirklichung dieser Pläne nach Kräften mitzuarbeiten. Für uns sind zwei Gesichtspunkte wesentlich: Eimal wollen wir die volle Verantwortung an einer wirksamen nuklearen Abschreckungsstreitmacht der NATO mittragen. Zum anderen soll die Abschreckung jede Art von Krieg unmöglich machen."

Die Motive der Bundesrepublik für ihr starkes Interesse, das sich im Verlauf der zweijährigen Debatte um den MLF-Plan noch steigerte, lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Zum einen ging es ihr darum, ihren Status in der Allianz durch einen "Finger am atomaren Abzug" aufzuwerten, die europäische und deutsche Einflußmöglichkeit auf Politik und Strategie der Allianz zu verstärken und schließlich, die amerikanischen Bindungen an Europa zu festigen. Dies waren in erster Linie politische Motive. Hinzu kam noch ein militärisches Motiv, das aus der Bedrohung Europas durch beinahe 700 Mittelstreckenraketen der Sowjetunion erwuchs und zu deren Abwehr die Bundesregierung die MLF als ein geeignetes Instrument ansah. Militärisch betrachtet, bedeutet die MLF jedoch keine nennenswerte Verbesserung gegenüber dem bisherigen Status und dies wurde im Verlaufe der weiteren Diskussion immer klarer. Einmal erweiterte die MLF das ohnehin schon vorhandene nukleare Potential nur unwesentlich, zum anderen war die geplante Unterwasserflotte gegen feindliche Angriffe äußerst verwundbar und drittens war in der Frage der Entscheidungsfindung über den Einsatz keine Lösung in Sicht, die gegenüber der bisherigen alleinigen Entscheidungsbefugnis des amerikanischen Präsidenten eine wesentliche Verbesserung gebracht hätte.

In dem Maße, in dem diese Probleme in der Diskussion um die MLF an Bedeutung gewannen, nahm das Interesse der meisten Allianzmitglieder nach und nach ab. Zuletzt zeigte nur noch die Bundesrepublik ein Interesse, das sogar soweit ging, die geplante multilaterale Atomstreitmacht not-falls im Alleingang mit den USA zu bilden. Dieses Vorhaben stieß jedoch bei den übrigen Mitgliedern des Bündnisses auf eine schroffe Ablehnung und auch innenpolitisch unterzogen einflußreiche, gaullistisch orientierte Kreise, um den ehemaligen Bundeskanzler Adenauer die einseitig "atlantisch" ausgerichtete Außen- und Sicherheitspolitik der Regierung Erhard einer wachsenden Kritik. So konnte es nicht überraschen, daß sich auch die amerikanische Regierung bei neuen Initiativen im Hinblick auf die MLF merkliche Zurückhaltung auferlegte und das geplante Projekt mit Beginn des Jahres 1965 schließlich auf Eis legte.

Suchen

International

Weiterlesen

Share

Bücher zum Thema

Anzeige