Aufgrund dieser sich wandelnden politischen und strategischen Gegebenheiten begann das Alliierte Oberkommando Europa (SHAPE) ab 1954 seine operativen Planungen einer Revision zu unterziehen und sein im NATO-Dokument MC 14/1 niedergelegten Konzept einer kombinierten nuklearen und konventionellen Verteidigung in Richtung einer stärkeren Betonung der Nuklearwaffen zu modifizieren.
Die bisher vertretene Ansicht, daß zu einer erfolgreichen Verteidigung des NATO-Gebiets in erster Linie starke konventionelle Landstreitkräfte erforderlich seien, wurde fallengelassen, "die Vorherrschaft der (nuklear gerüsteten) Luftwaffe war unter der Leitung des Fliegergenerals Lauris Norstad, der den Oberbefehl in Europa übernommen hatte, angebrochen." In den revidierten und vorwiegend an einem nuklearen Kriegsbild orientierten Planungen der NATO-Militärbehörden waren den Streitkräften fortan folgende Funktionen zugedacht:
Diese, gemeinhin als Schild- und Schwerttheorie bezeichneten Planungen der NATO-Militärbehörden wurden vom NATO-Rat im Dezember 1954 im Grundsatz gebilligt, wobei allerdings der Primat der Politik unter den Einsatz von Nuklearwaffen ausdrücklich betont wurde. Dazu hieß es im Schlußkommunique vom 19. Dezember 1954:
"6. Der Rat prüfte einen Bericht des Militärausschusses über die Frage, wie die militärische Verteidigungsstärke der NATO in den kommenden Jahren am wirksamsten gestaltet werden kann, wobei moderne Entwicklungen bei den Waffen und der Kriegsführung in Rechnung gestellt werden. Der Rat genehmigte diesen Bericht als Grundlage für die Verteidigungsplanung und die Vorbereitungen seitens der Militärbehörden der NATO, wobei festgestellt wurde, daß diese Genehmigung keine Übertragung der Verantwortlichkeit von Regierungen in sich schließt, im Kriegsfalle Beschlüsse über die Verwirklichung von Plänen zu fassen."
Die Quintessenz der neuen NATO-Strategie bestand in der Absicht, jeden Angriff des Warschauer Pakts, ob mit konventionellen Kräften oder mit Nuklearwaffen vorgetragen, mit einem massiven nuklearen Gegenschlag zu beantworten. Das oberste Prinzip hieß fortan nicht mehr Verteidigung, sondern Vergeltung, notfalls mit einem totalen nuklearen Inferno. Die Details dieser strategischen Planungen wurden in den Dokumenten des Militärausschusses MC 48 vom Dezember 1956 und MC 14/2 vom 21. März 1957 niedergelegt.
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