Im Mai 1957 und im Juli 1956 kam es anläßlich der Verabschiedung des Wehrpflichtgesetzes im deutschen Bundestag zum ersten Mal zu einer umfangreichen Debatte über die Militärstrategie der NATO und ihr Verhältnis zur Konzeption der deutschen Wiederbewaffnung.
Diese Debatte ließ zwei Probleme evident werden:
In der Parlamentsdebatte im Sommer 1956 verteidigten die Sprecher der Regierungsparteien ihren Standpunkt in der Frage der Allgemeinen Wehrpflicht im wesentlichen mit folgenden Argumenten:
Demgegenüber wies die Opposition in ihrer Argumentation immer wieder darauf hin, daß die konventionellen Strategievorstellungen der Regierung durch die revidierten NATO-Planungen von 1954 längst überholt seien. So betonte zum Beispiel Fritz Erler (SPD) in seinem Beitrag:
"Ich wiederhole: Die Strategie des Atlantikpakts läßt gar keinen Zweifel daran, daß ein bewaffneter Konflikt in Europa keine Aussicht hat, - auch mit 500 000 deutschen Soldaten nicht -, ein Konflikt mit konventionellen Waffen zu bleiben, sondern die Planungen der atlantischen Organisation gehen von dem sofortigen und direkten Einsatz von Atomwaffen im Konfliktsfall in Europa aus."
Trotzdem vermied es die SPD, sich auf die Nuklearstrategie der NATO als Alternative zur Regierungspolitik festzulegen, sondern schlug vielmehr vor, die Entscheidung über die Allgemeine Wehrpflicht bis zum Vorliegen etwaiger Verhandlungsergebnisse mit dem Osten aufzuschieben.
Dieser Vorschlag fand jedoch im Bundestag keine Zustimmung, statt dessen wurde am 7. Juli 1956 das von der Regierung eingebrachte Wehrpflichtgesetz mit 269 gegen 166 Stimmen verabschiedet. Kaum eine Woche nach Verabschiedung des Wehrpflichtgesetzes veröffentlichte die New York Times am 13. Juli 1956 einen Plan des Vorsitzenden der Vereinigten Stabchefs, Admiral Radfords, demzufolge als Konsequenz der neuen NATO-Strategie die konventionellen Streitkräfte der USA drastisch reduziert, die amerikanische Präsenz in Europa verringert und die Rolle der Nuklearwaffen noch stärker als bisher betont werden sollte.
Auch die Notwendigkeit der Bereitstellung von 500 000 deutschen Soldaten wurde angeblich in Zweifel gezogen. Die Veröffentlichung des Radford-Plans manifestierte in deutlicher Weise die Fragwürdigkeit der verteidigungspolitischen und militärstrategischen Position der Bundesregierung und ihren mangelnden Konsens mit der gültigen NATO-Strategie, führte zu einer merklichen Abkühlung im deutsch-amerikanischen Verhältnis, zu lautstarken Klagen über die mangelnde Konsultation im Bündnis, verhärtete die Position der Opposition in verteidigungs- und sicherheitspolitischen Fragen, leitete umfangreiche außenpolitische Aktivitäten der Bundesregierung zur Abschwächung oder gar Verhinderung dieses Planes ein und führte schließlich zu einer personellen und inhaltlichen Bestandsaufnahme der Militärpolitik der Bundesregierung und zu einer weitgehenden Revision des bisher verfochtenen Kurses.
Im einzelnen entfaltete die Bundesregierung auf zwei Ebenen umfangreich politische Aktivitäten:
International
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