Sie sind hier: 1955-1960 > Ausrüstung der NATO mit taktischen Nuklearwaffen

Die Ausrüstung der NATO mit taktischen Nuklearwaffen

Die Ausrüstung der NATO-Streitkräfte mit nuklearen Waffensystemen, oder besser gesagt mit Trägersystemen für nukleare Waffen, stellte den konsequenten Abschluß der Umstellung der Allianz auf eine Nuklearstrategie, wie sie mit den Beschlüssen vom Dezember 1954 intiiert worden war, dar und verlief in etwa nach folgendem Zeitplan:

Als Gründe für diesen forcierten Ausbau der nuklearen Komponente der Verteidigungsstruktur der NATO lassen sich im wesentlichen drei Punkte anführen:

Die zunehmende Fähigkeit beider Weltmächte, sich im gegenseitigen Schlagabtausch zu vernichten, konnte die Sowjetunion zu der Annahme verleiten, die USA würden ihr strategische Potential nur oder erst dann ein-setzen, wenn es amerikanisches Territorium selbst zu schützen galt. Infolgedessen konnte sie versucht sein, die potentielle strategisch-nukleare Reaktion der USA durch die Begrenzung von Konflikten auf Europa zu unterlaufen. Mit der Einführung so genannter taktischen Nuklearwaffen und ihrer Stationierung in Europa sollte deshalb aus westlicher Sicht der Nuklearwaffeneinsatz weit herab gestuft werden, um dem potentiellen Gegner glaubhaft vor Augen zu führen, daß er mit jeder Art von Aggression das Risiko eines nuklearen Krieges einzugehen hätte.

Die westeuropäischen Partner der NATO wollten sich nicht damit zufriedengeben, der Allianz das konventionelle "Fußvolk" zu stellen, während die beiden Atommächte USA und Großbritannien den Status der "nuklearen Ritter" einnahmen, ganz abgesehen von der Befürchtung, die Sowjetunion könne sich im Falle eines Angriffs auf Mitteleuropa just auf jene Abschnitte des integrierten NATO-Verteidigungsgürtels konzentrieren, der nicht mit taktischen Nuklearwaffen ausgerüstet wäre. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte Europa, General Lauris Norstad, nahm zu dieser Problematik im Zusammenhang mit einer Frage nach der Notwendigkeit der Ausrüstung der Bundeswehr wie folgt Stellung: "Solange sich die allgemeine Lage nicht verändert, sind defensive Atomwaffen zur Stärkung der Verteidigungskraft der Bundeswehr absolut unentbehrlich - zum Schutz der Bundesrepublik und zum Schutz der NATO - Völker und -Länder, das ist der rein militärische Standpunkt. Nun aber der deutsche Standpunkt: Wenn ich Deutscher wäre - und als Oberbefehlshaber Europa muß ich ja zu einem gewissen Teil deutsch denken - müssen wir von der sehr realen Tatsache ausgehen, daß es einen umfangreichen Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik an Streitkräften gibt bzw. geben wird. Es ist völlig undenkbar, daß diese Streitkräfte zu einer zweitrangigen Rolle versammt sein sollen, zu einer zweitklassigen Funktion, in der sie für die Verteidigung praktisch nutzlos würden. Wir können die deutschen Streitkräfte nicht unzureichend bewaffnen, das deutsche Volk kann nicht zulassen, daß seine Soldaten mit längst veralteten Waffen ausgerüstet werden."

Als Ausgleich zu den zunehmenden Fortschritten der Sowjetunion auf dem Gebiet der interkontinentalen Raketen, die sich in dem Start des Sputniks im Oktober 1957 aller Welt deutlich manifestierten, waren die USA an einer Stationierung von Mittelstreckenraketen auf europäischem Boden stark interessiert, da sie auf dem Gebiet der interkontinentalen Raketen noch relativ weit zurück lagen. Es war deshalb in diesem Zusammenhang von einer Art Tauschgeschäft die Rede, bei dem die USA den Europäern die geforderten taktischen nuklearen Waffensysteme zur Verfügung stellten, während diese den Amerikanern die gewünschten Basen für ihre Mittelstreckenraketen anboten.

Dies war für die Europäer nicht ohne Risiko, wenn man bedenkt, daß im Konfliktsfall die Basen der Mittelstrecken-Raketen und damit die Territorien der sie beherbergenden Staaten wohl bevorzugtes Ziel der sowjetischen Nuklearwaffen sein würden.


 

Atomwaffen der 50er Jahre


Mit diesen Atomwaffen war die US Army in den 50er Jahren ausgerüstet

Suchen

International

Weiterlesen

Share

Anzeige