Das militärstrategische Denken der USA hatte, wie auch in späteren Jahren, auf die NATO nachhaltige Auswirkungen. Unter der Federführung der Vereinigten Staaten und in der Erkenntnis, dass die Abschreckungswirkung der amerikanischen Nuklearwaffen keineswegs absolut war, beschloss die NATO den Aufbau eines starken konventionellen Abwehrsystems in Europa.
Auf der Tagung des NATO-Rats im Februar 1952 in Lissabon wurde ein umfangreicher Streitkräfteplan verabschiedet, der im einzelnen vorsah:
So ganz unrealistisch, wie sich dies auf den ersten Blick ausnimmt, war diese Planung durchaus nicht, obwohl Kritiker das Vorhaben schnell mit dem Attribut "Phantom-Armee" versahen.
Die Grundlagen für den Beschluss wurden schon auf der Ratstagung vom 24. bis 28. November 1951 in Rom gelegt. Dort präsentierte der neu etablierte NATO-Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower in einem ersten Report seine Streitkräfteziele, die die Basis der dann in Lissabon verabschiedeten Vorhaben bildeten. Auf dieser Tagung wurde ferner eine Einladung zum NATO-Beitritt an die Länder Griechenland und Türkei ausgesprochen, der dann ebenfalls in Lissabon offiziell vollzogen wurde.
Außerdem wurde in Rom von Seiten der NATO der Grundstein für die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) gelegt. In deren Rahmen sollten die Länder Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Luxemburg, Belgien und Niederlande bis 1945 eine Streitmacht von 43 Divisionen mit rund 559 000 Soldaten aufstellen, inklusive einem deutschen Kontingent von 12 Divisionen.
Betrachtet man diese beiden Faktoren und rechnet man dazu noch die Potentiale der USA, Kanadas und Großbritanniens so erscheint das in Lissabon verabschiedete Ziel durchaus nicht völlig abwegig, zumal nur die Hälfte der geplanten 90 Divisionen voll präsent sein sollten.
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