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Das Gefühl der Bedrohung

Unter dem Eindruck wachsender Ost-West-Spannungen und des militärischen Potentials der Sowjetunion, wuchs insbesondere nach Ausbruch des Koreakrieges bei den Westalliierten die Neigung, das westdeutsche Potential der westlichen Verteidigung nutzbar zu machen.

Eine erste Bestandsaufnahme der militärischen Sachverständigen der NATO kam sehr schnell zu dem Ergebnis, dass das bestehende und kurzfristig verfügbar zu machende Streitkräftepotential der Allianz keine realistische Abwehrkonzeption gegen einen sowjetischen Angriff zuließ. Die Erfahrungen des Koreakrieges hatten überdies die Gefährlichkeit einer allein auf das amerikanische Nuklearpotential gestützten Abschreckungsstrategie deutlich vor Augen geführt.

Auch die innenpolitische Diskussion in der Bundesrepublik stand unter dem Eindruck der Ereignisse in Fernen Osten und war gekennzeichnet durch die Furcht, die Bundesrepublik könne parallel zu der Entwicklung in Korea das Opfer einer von Kräften der SBZ vorgetragenen und von der Sowjetunion protegierten Aggression werden.

In einem Beitrag Konrad Adenauers in der New York Times am 17. August 1950 war die Rede davon, dass die Ereignisse in Korea eine merkliche Auswirkung gehabt hätten, um ein Gefühl der Hilflosigkeit bestünde, dass die Russen eines Tages die Macht ergreifen werden.

Offiziell tätig wurde Adenauer in der Frage der westdeutschen Sicherheit am 29. August 1950, als er ein vertrauliches Memorandum an die Westmächte richtete, in dem er auf die Diskrepanz zwischen der militärischen Präsenz der Sowjetunion im östlichen Teil Deutschlands (22 Divisionen und 6000 Panzer) und der westlichen Präsenz in der Bundesrepublik (4 anglo-amerikanische und einige französische Divisionen) hinwies und entsprechende sicherheitspolitische Maßnahmen von ihnen verlangte.

Die Politik Konrad Adenauers in Richtung einer westdeutschen Wiederbewaffnung löste in der Bundesrepublik eine umfangreiche innenpolitische Debatte aus, die zum Teil äußerst kontrovers geführt wurde.

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