In dieser Situation ergriff die englische Regierung die Initiative und schlug vor, die Bundesrepublik gleichzeitig in den Brüsseler Pakt und in die NATO aufzunehmen. Der Brüsseler Pakt sollte zu diesem Zweck in eine Verteidigungs- und Rüstungskontrollorganisation entwickelt werden, in dessen Rahmen sich die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik vollziehen sollte.
Nach einer kurzen Serie von Konferenzen wurden am 23. Oktober 1954 ein Pakt von Verträgen, die so genannten Pariser Verträge unterzeichnet, in denen der Bundesrepublik wieder die volle Souveränität zuerkannt und Fragen des Beitritts zur NATO und zur neu geschaffenen WEU geklärt wurden. Ein Tag zuvor hatte der NATO-Rat die Bundesrepublik einstimmig eingeladen, dem Bündnis beizutreten.
Da man bei dieser Lösung schon auf eine vorhandene vertragliche Grundlage aufbauen konnte, verliefen die Verhandlungen im Gegensatz zu den EVG-Verhandlungen relativ kurz. Daneben wurden in dem Vertragspaket noch mehrere bilaterale und multilaterale Fragen geregelt. Im Hinblick auf den deutschen Verteidigungsbeitrag und die Rolle der Bundesrepublik enthielten die Pariser Verträge umfangreiche Bestimmungen:
Um das vor allem in Frankreich noch stark vorhandene Misstrauen gegenüber eine deutschen Wiederaufrüstung zu besändtigen, ging Adenauer in den Verhandlungen freiwillig sogar noch einen Schritt weiter. Auf der Londoner Konferenz verzeichtete er auf die Herstellung sowie Verwendung von A-, B- und C-Waffen. darüber hinaus auf die Produktion von schweren Kriegsschiffen und strategischen Raketen und Bombern.
Die Pariser Verträge wurden nach wiederum heftigen Auseinandersetzungen im Bundestag am 27. Februar 1955 ratifiziert und am 5. Mai 1955 schließlich vollzog sich der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO.
Das Kernargument der Opposition gegen die Verträge fasste Erich 0llenhauer am 23. Januar 1955 in einem Brief an Konrad Adenauer zusammen: "Das deutsche Volk steht an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte der Nachkriegszeit. Die Abstimmung ... über das Pariser Vertragswerk, dessen Kernstück die Aufstellung deutscher Streitkräfte im Rahmen der Westeuropäischen Union und der NATO ist, ist von schicksalsschwerer Bedeutung für die Zukunft des ganzen deutschen Volkes. Die Annahme des Vertragswerkes führt nach unserer Überzeugung zu einer verhängnisvollen Verhärtung der Spaltung Deutschlands."
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