Es lohnt sich auch, einen Blick auf die Entwicklung der nuklearen Alternative zu werfen, mit der die USA in Ermangelung realer konventioneller Kräfte Ende der vierziger Jahre die Sowjetunion in Schach halten wollte.
Zwar bestand (noch) das Monopol der USA in Sachen Atombomben, aber bei den Mitteln und der Strategie, mit denen dieses Monopol in reales, jederzeit einsetzbares militärisches Potential umgesetzt werden sollte, sah es nicht wesentlich besser aus als bei den konventionellen Kräften.
Erst am 16. September 1947 wurde die US Air Force als eigenständige Teilstreitkraft innerhalb der Streitkräfte etabliert. Das Strategic Air Command, das Tactical Air Command und das Air Defense Command wurden als Untergliederungen eingerichtet. Die Organisation des Strategic Air Commands als zentraler Träger der nuklearen Vergeltungskräfte las sich auf dem Papier ganz ambitiös. Am 1. Juli 1947 wurden auf der Andrews AFB sieben neue Bomber-Groups für das Strategic Air Command aktiviert. Aber mangels Personal und Flugzeugen konnten nur zwei wirklich operationell etabliert werden. Sie wurden mit den B-29 ausgerüstet, jenem WK II-Bomber, der über Japan zum Einsatz kam und aus dessen Bombenschacht auf jene zwei Atombomben fielen, die Hiroshima und Nagasaki verwüsteten.
Am 24. September 1947 wurden die vorhandenen Kräfte neu disloziert: Die 2nd Bomb Group verlegte auf die Davis-Monthan AFB in Arizona und die 98th Bombardment Group nach Spokane AFB in Washington. Die übrigen Kräfte des SAC (44th, 90th, 303rd, 305 and 306th) blieben auf dem Papier und auf Andrews AFB bestehen, bis sie schließlich am 6. September 1948 mit Ausnahme der 306th Bombardment Group aufgelöst wurden. Diese wurde mit B-29 ausgerüstet und auf die MacDill AFB in Florida verlegt.
Diese Phase relativer Schwäche währte jedoch nicht lange. Am 19. Oktober 1948 übernahm General Curtis E. LeMay, ein bewährter Bomberstratege des Zweiten Weltkrieges und später Kommandeur der US-Luftwaffe in Europe, das Kommando beim SAC. Er machte sich daran, das SAC zu einem schlagkräftigen Instrument der amerikanischen Nuklearstrategie zu entwickeln.
Man darf auch nicht vergessen, dass die gesamte Reorganistation der amerikanischen Streitkräfte nach dem zweite Weltkrieg nicht ohne Komplikationen ablief. Insbesondere von Seiten der Marine gab es jahrelange Störfeuer, die als der bekannte Aufstand der Admirale in die Geschichte einging. Zum Zeitpunkt, als die Gründung der NATO anstand, war also auch die strategische Komponente im Streitkräfte-Portfolio der sich formierenden Westalliierten weit von einer Institution entfernt, vor der sich die Sowjetunion von ihren vermuteten expansiven Ambitionen hätte abbringen lassen müssen.
| 1946 | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | |
| Schwere Bomber | |||||
| B-36 | 35 | 36 | 38 | ||
| Mittelstrecken-Bomber | |||||
| B-29 | 148 | 319 | 486 | 390 | 268 |
| B-50 | 35 | 64 | 196 | ||
| Gesamt | 148 | 319 | 556 | 490 | 502 |
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