Der Nordatlantikvertrags verdankt seine Entstehung dem Unvermögen der USA und UdSSR, die als einzige Länder das mörderische Ringen des zweiten Weltkriegs als Großmächte überstanden hatten, auf der Basis der Vereinten Nationen ein globales System kollektiver Sicherheit zu schaffen.
Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges begann nicht eine Phase des weltweiten Friedens, sondern die Epoche des Kalten Krieges, der zum bestimmten Faktor der Nachkriegsentwicklung wurde und mehr als einmal in einen heißen Krieg umzuschlagen drohte.
Die Befürchtungen der Westeuropäer vor einem Wiederaufleben einer deutschen Aggressionspolitik, die noch im Vertrag von Dünkirchen zwischen Frankreich und Großbritannien ihren Niederschlag fanden, wichen schon bald einem Gefühl wachsender Bedrohung durch die Sowjetunion, die durch eine Strategie der sukzessiven Expansion ihren Einflussbereich zu erweitern versuchte.
Die ersten Erfolge bei der Schaffung eines westeuropäischen Bündnisses zur Abwehr dieser Bedrohung, die sich im Vertrag von Brüssel vom 17. März 1948 manifestierten, wurden durch die Erkenntnisse relativiert, dass die vom Krieg schwer heimgesuchten Länder Westeuropas trotz European Recovery Program die für die Verteidigung ihrer Hemisphäre notwendigen Mittel unmöglich aus eigener Kraft aufbringen konnten, zumal ein Großteil des militärischen Potentials bei der Verteidigung kolonialer Bastionen gegen die überall aufflammenden Befreiungsbewegungen gebunden war. Zwei Wege, das Abwehrpotential Westeuropas zu verstärken, boten sich an:
Einer westdeutschen Wiederbewaffnung stellten, nur drei Jahre nach Kriegsende, die noch weit verbreiteten Ressentiments der ehemaligen Kriegsgegner eine vorläufig noch unüberwindbare Hürde entgegen.